Gesund Leben

20 Tage ohne Essen: Meine Fasten-Erfahrungen

20 Tage nichts essen. Klingt verrückt, oder? Als ich meinen Freunden davon erzählt habe, haben die meisten gedacht, ich spinne. Aber ich wollte es unbedingt ausprobieren – aus gesundheitlichen Gründen, aus Neugier und ehrlich gesagt auch ein bisschen als Selbstexperiment. In diesem Artikel teile ich meine ehrlichen Erfahrungen mit dem Heilfasten: Was mit meinem Körper und meinem Kopf passiert ist, was ich gelernt habe und ob ich es wieder tun würde.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel ist ein persönlicher Erfahrungsbericht und keine medizinische Beratung. Längeres Fasten sollte immer unter ärztlicher Begleitung stattfinden. Bitte konsultiere deinen Arzt, bevor du mit einer Fastenkur beginnst – besonders wenn du Vorerkrankungen hast.

Warum ich mich fürs Fasten entschieden habe

Ich hatte mich schon länger mit dem Thema Ernährung beschäftigt und immer wieder vom Fasten gelesen – von Autophagie, Zellreinigung und den angeblich unglaublichen gesundheitlichen Vorteilen. Dazu kam, dass ich mich nach dem Studium irgendwie schlapp und energielos gefühlt habe. Zu viel Fast Food, zu wenig Bewegung, zu viel Stress.

Ich wollte meinem Körper einen Reset gönnen. Und ja, ich war auch neugierig: Wie fühlt es sich an, 20 Tage lang nichts zu essen? Was passiert mit dem Hunger? Und schaffe ich das überhaupt mental?

Die Vorbereitung: So habe ich mich auf das Fasten vorbereitet

Eins vorweg: Einfach so aufhören zu essen ist eine schlechte Idee. Ich habe mich gründlich vorbereitet:

  • Arztbesuch: Blutbild, Gesundheitscheck – alles okay, grünes Licht.
  • Entlastungstage: Eine Woche vor dem Fasten habe ich langsam reduziert: erst vegetarisch, dann nur noch Suppen und Obst.
  • Bücher gelesen: "Wie neugeboren durch Fasten" von Hellmut Lützner und verschiedene Studien zum Thema Buchinger-Fasten.
  • Fastenbegleitung organisiert: Ich hatte eine erfahrene Heilpraktikerin, die mich während der gesamten Zeit begleitet hat.
  • Zeitfenster gewählt: Urlaub genommen – Fasten und gleichzeitig arbeiten oder studieren ist keine gute Kombination.

Was passiert im Körper beim Fasten?

Bevor ich von meinem Tagebuch erzähle, ein kurzer Crashkurs in Fastenbiologie – damit du verstehst, was da eigentlich passiert:

Phase 1: Glykogen-Abbau (Tag 1-2)

In den ersten 24-48 Stunden verbraucht dein Körper die Glykogenspeicher in Leber und Muskeln. Das sind die kurzfristigen Energiereserven. In dieser Phase kann es zu Kopfschmerzen, Schwäche und starkem Hunger kommen.

Phase 2: Umstellung auf Fettverbrennung (Tag 2-4)

Wenn die Glykogenspeicher leer sind, stellt der Körper auf Fettverbrennung um. Er bildet sogenannte Ketonkörper – eine alternative Energiequelle, die auch das Gehirn nutzen kann. Viele Fastende berichten in dieser Phase von einem Klarheits-Kick.

Phase 3: Autophagie (ab Tag 3-4)

Das ist der eigentliche Star des Fastens. Autophagie bedeutet "Selbstverdauung" – der Körper beginnt, beschädigte Zellen, fehlerhafte Proteine und sogar Bakterien abzubauen und zu recyceln. Der japanische Wissenschaftler Yoshinori Ohsumi bekam dafür 2016 den Nobelpreis für Medizin.

Mein Fasten-Tagebuch: Tag für Tag

Tag 1-3: Die Hölle

Ich will ehrlich sein: Die ersten drei Tage waren brutal. Am ersten Tag ging es noch, der Hunger war auszuhalten. Aber Tag 2 und 3 – wahnsinn. Kopfschmerzen, Schwindel, schlechte Laune. Ich hab überall Essen gesehen und gerochen. Mein Mitbewohner hat sich Pizza bestellt, und ich hätte heulen können.

Physisch war ich total schlapp. Jede Treppe fühlte sich an wie Bergsteigen. Mein Tipp für alle, die es versuchen wollen: Diese Phase geht vorbei. Durchhalten lohnt sich.

Tag 4-7: Der Wendepunkt

Ab Tag 4 wurde es spürbar besser. Der Hunger verschwand fast komplett – das war das Erstaunlichste für mich. Ich hatte plötzlich eine mentale Klarheit, die ich so noch nie erlebt hatte. Mein Kopf war ruhig, fokussiert, klar. Ich habe in dieser Woche mehr gelesen als im ganzen Monat davor.

Körperlich war ich immer noch schwächer als normal, aber die Kopfschmerzen waren weg. Ich habe leichte Spaziergänge gemacht und viel Tee getrunken.

Tag 8-14: Die gute Phase

Das war die Phase, in der ich verstanden habe, warum Menschen vom Fasten schwärmen. Ich fühlte mich leicht, wach und irgendwie – sauber. Meine Haut wurde besser, ich schlief tief und erholsam, und meine Sinne waren geschärft. Gerüche und Farben waren intensiver.

Gleichzeitig habe ich gemerkt, wie viel meines Alltags sich ums Essen dreht. Die ganze Zeit, die man normalerweise mit Kochen, Einkaufen und Essen verbringt, war plötzlich frei. Das war befreiend und gleichzeitig ein bisschen beängstigend.

Tag 15-20: Die Zielgerade

In der letzten Phase kam der Hunger langsam zurück – das ist ein natürliches Zeichen, dass der Körper wieder Nahrung braucht. Ich war dünner geworden (ca. 8 Kilo weniger), aber nicht ausgemergelt. Die Energie war okay, aber ich merkte, dass es Zeit war aufzuhören.

Mental war ich stolz, ein bisschen emotional und sehr, sehr dankbar für die Erfahrung.

Was ich während des Fastens zu mir genommen habe

Nur Flüssigkeiten: 2-3 Liter stilles Wasser, Kräutertees (Brennnessel, Pfefferminze, Kamille), ab und zu ein Glas verdünnten Gemüsesaft (nach Buchinger-Methode) und morgens einen Löffel Honig im Tee. Kein Kaffee, kein Alkohol, keine Milch.

Das Fastenbrechen: Der schwierigste Teil

Man sagt, das Fastenbrechen ist genauso wichtig wie das Fasten selbst – und das stimmt zu 100 Prozent. Dein Körper hat sich an den Zustand ohne Nahrung angepasst. Wenn du plötzlich wieder normal isst, kann das zu ernsthaften Problemen führen.

Mein Fastenbrechen dauerte fünf Tage. Am ersten Tag nur einen gekochten Apfel. Am zweiten Tag leichte Suppe. Dann langsam Gemüse, Reis, nach einer Woche erst wieder normale Mahlzeiten. Der erste Bissen nach 20 Tagen – ein Stück gedünsteter Apfel – war eines der intensivsten Geschmackserlebnisse meines Lebens.

Die verschiedenen Fastenmethoden im Überblick

Buchinger-Fasten

Die bekannteste Methode im deutschsprachigen Raum. Du trinkst nur Wasser, Kräutertees und kleine Mengen Gemüsebrühe oder verdünnten Saft (ca. 250 kcal pro Tag). Das habe ich gemacht. Typische Dauer: 7-21 Tage.

Saftfasten

Hier trinkst du täglich frisch gepresste Obst- und Gemüsesäfte (ca. 500-750 kcal pro Tag). Milder als Buchinger, gut für Einsteiger. Typische Dauer: 3-7 Tage.

Intervallfasten (16:8)

Die alltagstauglichste Variante: 16 Stunden fasten, 8 Stunden essen. Kein klassisches Fasten im eigentlichen Sinn, aber eine gute Methode, um von den Vorteilen des Fastens zu profitieren, ohne auf feste Nahrung zu verzichten.

5:2-Methode

An fünf Tagen normal essen, an zwei Tagen nur 500-600 Kalorien zu dir nehmen. Gut kombinierbar mit Arbeit und Studium.

Was ich aus 20 Tagen Fasten gelernt habe

  • Hunger ist nicht der Feind. Er kommt und geht. Du stirbst nicht, wenn du mal einen Tag nichts isst.
  • Wir essen viel zu oft aus Langeweile. Echten Hunger habe ich in den 20 Tagen seltener gespürt als erwartet.
  • Der Körper ist unglaublich anpassungsfähig. Nach drei Tagen hat sich mein System komplett umgestellt.
  • Essen ist ein Privileg. Ich habe danach viel bewusster gegessen und mehr Wertschätzung für Lebensmittel entwickelt.
  • Mentale Stärke wächst. Wenn du 20 Tage fasten kannst, schaffst du auch andere Herausforderungen.

Wer sollte NICHT fasten?

Fasten ist nicht für jeden geeignet. Diese Gruppen sollten auf keinen Fall längeres Fasten praktizieren:

  • Schwangere und Stillende
  • Kinder und Jugendliche
  • Menschen mit Essstörungen (Anorexie, Bulimie) – Fasten kann die Erkrankung verschlimmern
  • Stark Untergewichtige
  • Diabetiker Typ 1 (Typ 2 nur unter ärztlicher Aufsicht)
  • Menschen mit schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Personen, die bestimmte Medikamente einnehmen (vor allem Blutverdünner, Insulin)

Mein ehrliches Vorher-Nachher

Vorher: 82 kg, müde, unreine Haut, Verdauungsprobleme, Schlafprobleme, Brain Fog.

Nachher: 74 kg, wacher, klarere Haut, bessere Verdauung, tieferer Schlaf, mehr mentale Klarheit. Einige Kilos sind nach dem Fastenbrechen wieder draufgekommen (normal!), aber insgesamt hat sich mein Gewicht bei ca. 77 kg eingependelt.

Häufig gestellte Fragen zum Fasten

Was passiert im Körper beim Fasten?

Der Körper durchläuft mehrere Phasen: Zuerst werden die Glykogenspeicher geleert, dann stellt er auf Fettverbrennung um und bildet Ketonkörper. Ab Tag 3-4 setzt die Autophagie ein, ein zellulärer Reinigungsprozess.

Wie lange darf man fasten?

Kurzzeitfasten bis 24 Stunden ist für gesunde Erwachsene meist unbedenklich. Längeres Fasten über mehrere Tage sollte immer unter ärztlicher Begleitung stattfinden. Die sichere Dauer hängt von der Methode und deinem Gesundheitszustand ab.

Wie viel Gewicht verliert man beim Fasten?

In den ersten Tagen verlierst du hauptsächlich Wasser – ca. 1-2 kg. Danach verliert man etwa 300-500 Gramm Fettmasse pro Tag. Bei 20 Tagen Fasten habe ich insgesamt 8 kg verloren, wovon ca. 3 kg nach dem Fastenbrechen wieder drauf waren.

Ist Fasten gefährlich?

Kurzzeitiges Fasten ist für gesunde Erwachsene in der Regel sicher. Längeres Fasten birgt Risiken wie Elektrolyt-Ungleichgewicht, Muskelabbau und Kreislaufprobleme. Deshalb sollte längeres Fasten immer ärztlich begleitet werden.

Kann man beim Fasten Sport machen?

Leichte Bewegung wie Spaziergänge, sanftes Yoga oder Stretching sind empfehlenswert. Intensiver Sport ist während des Fastens tabu, da der Körper nicht genug Energie hat und Muskelabbau droht.

Was darf man beim Buchinger-Fasten trinken?

Wasser, Kräutertees, kleine Mengen Gemüsebrühe und verdünnte Obst- oder Gemüsesäfte. Insgesamt solltest du auf maximal 250-300 Kalorien pro Tag kommen. Kein Kaffee, kein Alkohol.

Wie bricht man das Fasten richtig?

Langsam und behutsam. Am ersten Tag nur einen gedünsteten Apfel oder leichte Brühe. Dann über 3-5 Tage schrittweise leichte Kost einführen: Gemüsesuppen, gedünstetes Gemüse, Reis. Erst nach einer Woche wieder normal essen.

Was ist Autophagie?

Autophagie ist ein zellulärer Reinigungsprozess, bei dem der Körper beschädigte Zellen und fehlerhafte Proteine abbaut und recycelt. Sie wird durch Fasten aktiviert und gilt als einer der Hauptgründe für die gesundheitlichen Vorteile des Fastens.

Kann Fasten bei chronischen Krankheiten helfen?

Es gibt Studien, die positive Effekte bei Bluthochdruck, Diabetes Typ 2, Rheuma und Autoimmunerkrankungen zeigen. Aber Fasten ist keine Therapie und sollte bei chronischen Erkrankungen immer mit dem Arzt besprochen werden.

Würdest du das Fasten weiterempfehlen?

Ja, aber nur mit guter Vorbereitung und ärztlicher Begleitung. Für den Einstieg empfehle ich Intervallfasten oder ein kurzes 3-5-tägiges Saftfasten. 20 Tage sind wirklich nur etwas für Menschen mit Erfahrung und professioneller Begleitung.

Fazit: Würde ich es wieder tun?

Ja – aber nicht gleich morgen. Die 20 Tage Fasten waren eine der intensivsten Erfahrungen meines Lebens. Ich habe meinen Körper auf eine völlig neue Art kennengelernt, mein Verhältnis zum Essen hat sich verändert, und die mentale Klarheit war unglaublich.

Aber es war auch hart. Die ersten Tage waren eine echte Herausforderung, und ohne professionelle Begleitung hätte ich es wahrscheinlich nicht durchgehalten – oder es wäre riskant geworden.

Wenn dich das Thema interessiert, fang klein an. Intervallfasten oder ein dreitägiges Saftfasten sind perfekte Einstiege. Und bitte: Sprich mit deinem Arzt, bevor du loslegst. Dein Körper wird es dir danken – aber nur, wenn du es richtig machst.