Wohnen

WG-Leben: 6 Tipps fürs Zusammenleben, die wirklich funktionieren

Das WG-Leben gehört für viele Studierende in Österreich einfach dazu. Eine Wohngemeinschaft ist nicht nur günstiger als alleine zu wohnen – sie kann auch richtig viel Spaß machen. Aber: Nur wenn das Zusammenleben in der WG funktioniert. In diesem Artikel verrate ich dir 6 erprobte Tipps, mit denen du WG-Streit vermeidest, einen fairen Putzplan erstellst und das Beste aus deiner Wohnsituation rausholst.

Warum WG-Regeln so wichtig sind

Klingt spießig, ist aber essenziell: Klare WG-Regeln verhindern die meisten Konflikte, bevor sie entstehen. Am Anfang denken viele, dass sich alles „von selbst regelt" – aber spätestens nach dem dritten Abwasch-Drama wünscht man sich, man hätte vorher darüber gesprochen. Gute Regeln sind keine Einschränkung, sondern geben allen Bewohner:innen Sicherheit und Orientierung.

Tipp 1: Setzt euch zusammen und vereinbart Grundregeln

Der wichtigste Schritt passiert am Anfang: Setzt euch zu einem WG-Meeting zusammen und besprecht die wichtigsten Punkte. Am besten schreibt ihr alles auf – das mag übertrieben klingen, aber es schafft Klarheit. Eine WG-Regeln-Vorlage kann dabei helfen.

Themen, die ihr besprechen solltet:

  • Ruhezeiten: Wann ist Schluss mit lauter Musik oder langen Telefonaten?
  • Besuch und Übernachtungsgäste: Wie oft darf der/die Partner:in bleiben? Müssen Gäste angekündigt werden?
  • Rauchen: In der Wohnung ja oder nein? Nur am Balkon?
  • Gemeinschaftsräume: Wer darf was in Küche, Bad und Wohnzimmer lagern?
  • Haustiere: Erlaubt oder nicht? Wer kümmert sich?

Tipp: Regeln schriftlich festhalten

Schreibt eure WG-Vereinbarungen auf und hängt sie gut sichtbar auf – z. B. am Kühlschrank. So kann sich niemand rausreden und neue Mitbewohner:innen wissen sofort, woran sie sind. Es gibt auch digitale Vorlagen und Apps dafür.

Tipp 2: Erstellt einen fairen Putzplan

Der WG-Putzplan ist vermutlich das meistdiskutierte Thema in jeder Wohngemeinschaft. Und das zu Recht – denn nichts nervt mehr als eine dreckige Küche, für die sich niemand verantwortlich fühlt. So erstellst du einen Plan, der funktioniert:

  1. Bereiche definieren: Küche, Bad, WC, Flur, Wohnzimmer, Müll rausbringen.
  2. Wöchentliche Rotation: Jede Woche ist jemand anderes für einen bestimmten Bereich zuständig.
  3. Konkrete Aufgaben: „Küche putzen" ist zu vage. Besser: „Herd abwischen, Spüle reinigen, Boden wischen, Mülleimer leeren."
  4. Fester Tag: Legt einen Tag fest (z. B. Samstag), bis wann alles erledigt sein muss.
  5. Sichtbar aufhängen: Am Kühlschrank oder in einer gemeinsamen App.

Digitale Helfer für den Putzplan

Apps wie Flatastic, Our Home oder einfach ein geteiltes Google Sheet machen den Putzplan digital und erinnern automatisch. Besonders praktisch, wenn jemand seinen Putztermin verschwitzt – die App vergisst nicht.

Tipp 3: WG-Küche – Regeln für den Frieden

Die WG-Küche ist das Herzstück jeder Wohngemeinschaft – und gleichzeitig der häufigste Konfliktherd. Buchstäblich. Hier ein paar Regeln, die euch das Leben leichter machen:

  • Sofort abwaschen: Die goldene Regel. Wer kocht, räumt sofort danach auf. Keine Ausnahme.
  • Kühlschrank aufteilen: Jede:r bekommt ein eigenes Fach. Gemeinschaftslebensmittel (Milch, Butter, Gewürze) werden gemeinsam gekauft und finanziert.
  • Beschriften: Wenn etwas im Kühlschrank dir gehört und nicht geteilt werden soll – beschrifte es. Das vermeidet Missverständnisse.
  • Kochzeiten absprechen: In einer kleinen Küche kann es eng werden. Ein kurzes „Ich koche heute um sieben" hilft bei der Planung.
  • Ablaufdatum checken: Regelmäßig (z. B. monatlich) gemeinsam den Kühlschrank durchgehen und Abgelaufenes entsorgen.

Tipp 4: Geld und Kosten fair aufteilen

Geld ist in jeder WG ein sensibles Thema. Je transparenter ihr damit umgeht, desto weniger Konflikte gibt es. So gelingt die faire Aufteilung:

Fixkosten (Miete, Strom, Internet)

Am einfachsten: Ein gemeinsames Konto oder eine Person, die alles überweist und den Rest aufteilt. Apps wie Splitwise oder Tricount helfen beim Tracken. Die Miete wird meist nach Zimmergröße aufgeteilt – wer das größere Zimmer hat, zahlt mehr. Klingt fair und ist es auch.

Gemeinschaftseinkäufe

Für Dinge wie Klopapier, Spülmittel, Müllsäcke und gemeinsame Lebensmittel (Öl, Gewürze) lohnt sich eine WG-Kassa. Jede:r zahlt monatlich einen fixen Betrag ein (z. B. 20–30 Euro), und davon werden die Gemeinschaftseinkäufe bezahlt.

Individuelle Einkäufe

Deine eigenen Lebensmittel kaufst und bezahlst du selbst. Klingt simpel, muss aber klar kommuniziert werden. Die Grenze zwischen „gehört mir" und „gehört allen" ist sonst schnell verwischt.

Tipp: Monatliche Abrechnung

Macht einmal im Monat eine kurze Abrechnung: Wer hat was gezahlt, wer schuldet wem etwas? Das dauert 10 Minuten und verhindert, dass sich über Monate ein Ungleichgewicht aufbaut.

Tipp 5: Kommunikation ist alles

Der häufigste Grund für WG-Streit? Mangelnde Kommunikation. Probleme, die nicht angesprochen werden, stauen sich auf – und irgendwann platzt die Bombe. So kommunizierst du richtig in der WG:

  • Probleme zeitnah ansprechen: Nicht wochenlang schmollen, sondern das Gespräch suchen. Je früher, desto besser.
  • Ich-Botschaften verwenden: „Ich fühle mich unwohl, wenn..." wirkt besser als „Du machst immer...".
  • Regelmäßige WG-Abende: Einmal im Monat zusammen kochen und dabei offene Themen besprechen. In lockerer Atmosphäre lässt sich vieles leichter klären.
  • Gruppen-Chat nutzen: Für Organisatorisches (Putzplan, Einkäufe, Handwerkertermine) ist ein WhatsApp-Gruppenchat Gold wert.
  • Respektvoller Umgang: Auch wenn du genervt bist – der Ton macht die Musik. Bleib sachlich und freundlich.

Tipp 6: Unterschiedliche Lebensrhythmen respektieren

In einer WG prallen verschiedene Tagesabläufe aufeinander: Die eine steht um sechs auf, der andere geht erst um zwei ins Bett. Das kann funktionieren – wenn alle Rücksicht nehmen.

  • Kopfhörer benutzen: Abends und nachts lieber Kopfhörer statt Lautsprecher. Deine Mitbewohner:innen werden es dir danken.
  • Badezimmer-Zeiten: Wenn alle gleichzeitig zur Uni müssen, lohnt sich eine lockere Absprache, wer wann ins Bad geht.
  • Rücksicht bei Prüfungsphasen: Wenn jemand gerade im Lernstress ist, nimm besondere Rücksicht auf Lautstärke.
  • Partys vorher ankündigen: Eine WG-Party ist super – aber kündige sie mindestens eine Woche vorher an, damit sich alle darauf einstellen können.

Bonus: Wenn es gar nicht mehr geht

Manchmal passt es trotz aller Bemühungen einfach nicht. Das ist okay und kein Versagen. Wenn das Zusammenleben dauerhaft belastend ist und Gespräche nichts mehr bringen, ist ein Auszug keine Niederlage, sondern eine kluge Entscheidung. Achte dabei auf deine Kündigungsfrist im Mietvertrag und beginne rechtzeitig mit der Suche nach einer Alternative.

Wichtig: Lass die Situation nicht so weit eskalieren, dass die Freundschaft daran zerbricht. Manchmal ist es besser, rechtzeitig zu gehen und die Beziehung zu retten.

Häufige Fragen zum WG-Leben

Wie erstelle ich einen WG-Putzplan?

Liste alle Bereiche auf (Küche, Bad, Flur, Müll), erstelle eine wöchentliche Rotation und definiere konkrete Aufgaben pro Bereich. Nutze eine App wie Flatastic oder häng den Plan am Kühlschrank auf. Wichtig: Legt einen festen Tag fest, bis wann alles erledigt sein muss.

Wie teilt man die Miete in einer WG fair auf?

Am fairsten ist die Aufteilung nach Zimmergröße: Miss die Quadratmeter jedes Zimmers und teile die Miete proportional auf. Gemeinschaftsflächen werden gleichmäßig verteilt. Online gibt es Rechner, die das für dich erledigen.

Wie vermeide ich Streit in der WG?

Offene Kommunikation ist der Schlüssel. Sprich Probleme frühzeitig an, nutze Ich-Botschaften und plant regelmäßige WG-Abende ein. Klare Regeln zu Lautstärke, Sauberkeit und Besuch verhindern die meisten Konflikte von vornherein.

Was gehört in eine WG-Regeln-Vorlage?

Eine gute WG-Regeln-Vorlage enthält: Ruhezeiten, Putzplan, Küchenregeln (Abwasch, Kühlschrank), Besuchsregeln, Kostenaufteilung, Rauchen/Haustiere und Regeln für Gemeinschaftsräume. Passt die Vorlage an eure individuellen Bedürfnisse an.

Welche Apps helfen beim WG-Leben?

Flatastic ist speziell für WGs konzipiert (Putzplan, Einkaufsliste, Finanzen). Splitwise und Tricount helfen bei der Kostenaufteilung. Our Home ist gut für gemeinsame Aufgaben. Ein einfaches geteiltes Google Sheet funktioniert aber auch.

Wie gehe ich mit einem unordentlichen Mitbewohner um?

Sprich das Problem direkt, aber freundlich an. Verwende Ich-Botschaften: „Mir fällt auf, dass die Küche öfter unaufgeräumt ist. Können wir eine Lösung finden?" Wenn Gespräche nichts helfen, kann ein verbindlicher Putzplan mit konkreten Aufgaben und Deadlines helfen.

Soll ich mit Freunden in eine WG ziehen?

Das kann super sein – oder die Freundschaft belasten. Wichtig ist, dass ihr vorher ehrlich über Erwartungen, Gewohnheiten und Grenzen sprecht. Behandelt das Zusammenleben professionell (mit Regeln und klaren Abmachungen), auch wenn ihr befreundet seid.

Wie organisiert man Gemeinschaftseinkäufe?

Richtet eine WG-Kassa ein, in die jede:r monatlich einen fixen Betrag einzahlt (z. B. 25 Euro). Davon werden Klopapier, Spülmittel, Müllsäcke und gemeinsame Lebensmittel gekauft. Eine gemeinsame Einkaufsliste (digital oder am Kühlschrank) hilft, nichts zu vergessen.

Wie oft sollte man ein WG-Meeting abhalten?

Einmal im Monat ist ideal. Verbindet es mit einem gemeinsamen Kochen oder Essen – so wird es zum angenehmen Ritual statt zur Pflichtveranstaltung. Bei akuten Themen natürlich auch zwischendurch.

Was tun, wenn ein Mitbewohner seine Miete nicht zahlt?

Sprich die Person direkt an – vielleicht gibt es einen Grund (Geldprobleme, vergessen). Setzt eine Frist. Wenn es dauerhaft nicht funktioniert, muss im schlimmsten Fall der Mietvertrag angepasst oder die Person ausgetauscht werden. Klärt vorher, wer Hauptmieter ist und welche Rechte bestehen.

Fazit: WG-Leben kann richtig gut sein

Das WG-Leben ist eine der prägendsten Erfahrungen während der Studienzeit. Mit klaren Regeln, offener Kommunikation und gegenseitigem Respekt wird aus einer Wohngemeinschaft mehr als nur eine Zweck-WG – nämlich ein echtes Zuhause. Nimm dir am Anfang die Zeit für ein ordentliches WG-Meeting, erstellt gemeinsam einen Putzplan und sprecht Probleme an, bevor sie eskalieren. Dann steht einem harmonischen Zusammenleben nichts im Weg.