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Abenteuer Leben. Studium. Beruf. © Sarah Staber & Stephanie Briegl / MEINPLAN.at
12.06.2018 | Praktikum | Nathalie Credo

Behindert – oder doch nicht? Wie ich den Blickwinkel geändert hab

Bei einem Praktikum in der Behindertenwerkstatt habe ich über Menschen mit Behinderung gelernt und meinen Horizont erweitert. Das empfehle ich weiter.

Am ersten Morgen durfte ich einer basal behinderten Dame Nahrung verabreichen. Mit Brei auf dem Löffel versuchte ich, das Ganze in ihren Mund zu bekommen. Leicht war es nicht, aber ich merkte, wie ich eine neue Art des Feingefühls aufbaute: Gaaanz langsam musste es gehen. Das Füttern dauerte um die 30 Minuten. „So in etwa muss sich eine Mutter mit ihrem Baby fühlen“, dachte ich. Langweilig war diese Herausforderung schon mal nicht.

 

Ich hatte die Befürchtung, sie könnte vor allem langweilig werden, diese Woche Praktikum in der Behindertenwerkstatt Innermanzing. Ich habe sie während meiner Ausbildung zur Sozialpädagogin gemacht. Davor empfang ich das eher als „müssen“ und sehnte schon am ersten Tag dem Ende der Woche entgegen. Wieso eigentlich? Ich hatte Angst vor jeder Menge Langeweile – die Menschen dort würden doch nur herumsitzen und Unterhaltungen könne man mit ihnen auch nicht führen.

 

Wer ist denn schon ,,normal“?

Im Alltag stelle ich fest, dass alle immer von „Behinderten“ sprechen. Heute, als fast fertige Sozialarbeiterin, weiß ich, dass es diesen Terminus zu hinterfragen gilt: Womöglich fühlen sich die Menschen im Heim gar nicht ,,behindert“, sondern sie sind zufrieden mit sich, so, wie sie sind?

 

Behindert - oder doch nicht? Wie ich den Blickwinkel geändert habe - Nathalie Colleen - meinplan.at
 

Wer ist normal und wer ,,behindert“? Die Blume, weil sie trotz des Schnees noch blüht oder aber der Schnee, der immer noch da ist, obwohl schon die Blumen blühen? © Nathalie Colleen/meinplan.at

 

Wenn ,,Behinderte“ lieben

Den Gedanken hatte ich auch damals während des Praktikums, als ich Anna (Name geändert) kennenlernte. Es war Mai, heute vor etwas mehr als fünf Jahren. Anna hatte den dringenden Wunsch, ihrer Mutter eine Muttertagskarte zu basteln. Da Anna mit der Feinmotorik Probleme hatte, schnitt und klebte ich die Blumen so auf die Karte, wie sie es mir diktierte. Der ganze Prozess dauerte mehrere Tage, da die Frau sich mit Entscheidungen nicht ganz so leicht tat.

 

Als das Muttertagsgeschenk nun endlich fertig war, liefen Tränen über Annas Wangen. „So schön, für meine Mama, sie freut sich hoffentlich“, waren die Worte der ,,Behinderten“. Anna ist nicht bloß eine ,,Behinderte“, sondern ein Mensch, der den Wunsch verspürt, ihre Mitmenschen glücklich zu machen. Das gilt besonders für die Familie, die sie im Heim besuchen kommt.  

 

Viel Lohn – ganz ohne Bezahlung

Im Laufe der Woche machte ich natürlich noch ähnliche Erfahrungen, doch Annas Rührung bleibt wohl die schönste Erinnerung von allen. Klar, meine Erwartungen sind zum Teil eingetroffen. Oft war es langweilig und Aktivitäten dauerten eeewig, aber:

 

 
Ich habe durch mein Praktikum Berührungsängste abgebaut und gelernt, dass die ,,Behinderten“ für vor allem eines sind: ganz normal. In einem späteren Praktikum profitierte ich von den nun verschwundenen Berührungsängsten – als Sozialarbeiterin sind Kontakte mit allen Menschen üblich. Da haben Abneigungen keinen Platz!
 
 

 

 
 

Probier‘ es doch auch!

Ich empfehle jedem Menschen, sich durch ein Praktikum genau zu jenen zu begeben, vor denen man Abneigungen/Ängste/Unsicherheiten hat. So wie in meinem Fall erweitert das Eintauchen ins ,,Unbekannte“ den eigenen, persönlichen Horizont – und schult dazu die Eigenwahrnehmung!

 

Das wahre Lernen passiert meiner Ansicht nach am Menschen – und nicht anhand auswendig gelernter Skripten.

Nathalie Credo

Schon viel gesehen, erlebt und ausprobiert: einfach Nathalie. Ich bin Sängerin, Autorin, Sozialpädagogin und Sozialarbeiterin, wobei ich mich auf zuletzt genanntem Gebiet gerade weiter spezialisiere. Neben Österreich sind die USA mein zweites Zuhause - das Reisen ist eines meiner liebsten Hobbys, doch zu lange würde ich von meinen beiden Katzenkindern nicht getrennt sein wollen. Meine Blogs sind vielfältig – so wie ich!

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