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Abenteuer Leben. Studium. Beruf. © Sarah Staber & Stephanie Briegl / MEINPLAN.at

Hilfe, hochsensibel

Hochsensibilität? Was das bedeutet und wie du damit umgehen kannst – als aktiv oder passiv Betroffene bringt uns Nathalie das Thema näher.

Bereits als Kind fühlte ich mich oft durch beiläufige Aussagen gekränkt, spürte, wenn sich Personen gestritten hatten und Worte beschäftigen mich oft tagelang. Später, im Jugendalter und als junge Erwachsene bekam ich häufig die Rückmeldung: ,,Nimm‘ das doch nicht so ernst!“ Mit Freunden erörterte ich dann, warum ich gewisse Dinge doch ernst nahm. Dahinter steckt eine Eigenschaft, welche 10-15 % der Weltbevölkerung zu besitzen glauben: Hochsensibilität. Unter Wissenschaftern handelt es sich dabei um ein umstrittenes Thema, es ist Vorsicht mit "Diagnosen" geboten. Nicht jeder Mensch, der sich schnell etwas zu Herzen nimmt oder schüchtern und zurückhaltend ist, ist automatisch hochsensibel. 

 

Gefühle hat doch jedeR…?

Ja, das schon – aber dennoch gibt es bei Hochsensiblen einen riesigen Unterschied in der Wahrnehmung. Ich gebe zu, das Thema ,,Hochsensibilität“ ist nicht gerade einfach zu erklären. Ich beginne mal damit: Hochsensible Personen nehmen Emotionen um ein Vielfaches stärker wahr als ,,normale“. Stell dir vor, du würdest Freude, Wut, Trauer et cetera nicht so empfinden, wie du es gegenwärtig tust – sondern etwa um das 100fache mehr! Da wundert es einen dann gar nicht mehr so, wenn Beiläufigkeiten für hochsensible Personen unter Umständen stark verletzend sein können, oder?

 

Ein Beispiel aus meiner Schule macht das Ganze vielleicht ein wenig verständlicher: Als mir eine Lehrperson die Leviten las, weil ich keine Hausschuhe trug (wir hatten sogar in der Oberstufe Hausschuhpflicht!), nahm ich das sehr persönlich und war von dem Zeitpunkt an der Meinung, ich würde gehasst werden. Dabei ging es doch nur um einen leichten Regelverstoß. Nicht-Hochsensible hätten die Begebenheit vermutlich augenverdrehend hingenommen und zwei Tage später bereits vergessen. Ich jedoch war für den Rest des Tages in einer Art ,,Schockwolke“ versunken, weil ich die Aggression mir gegenüber nicht ertragen konnte – und das mit 17 Jahren!

 

 
Hochsensible Personen nehmen Emotionen um ein Vielfaches stärker wahr als ,,normale“. Stell dir vor, du würdest Freude, Wut, Trauer et cetera nicht so empfinden, wie du es gegenwärtig tust – sondern etwa um das 100fache mehr!
 
 

Stell dir vor, du hättest mich an jenem Tag getroffen und dich unterhalten wollen – ich hätte dir nicht erklären können, warum ich die Zurechtweisung als dermaßen schlimm empfand, dass ich mich auf Unterhaltungen gar nicht mehr einlassen konnte. Dieses Verhalten wirkt seltsam auf die Umgebung, oder? Wenn du dich in diesen Zeilen selbst wiederfindest und/oder jemanden kennst, der häufig wegen Kleinigkeiten überreagiert, könnte Hochsensibilität dahinterstecken (betonung auf könnte). Sobald man weiß, was hinter den heftigen Reaktionen steckt, fällt der Umgang mit sich selbst schon um einiges leichter. Man gibt sich keine Schuld mehr "eine Mimose" zu sein, sondern akzeptiert seine Gefühlsregungen wie sie kommen und gehen. Das macht den Umgang damit viel einfacher.

 

Du weinst also gleich? Hier, eine Taschentuch- Familienbox!

Hochsensibilität zeigt sich bereits im Kindesalter: Betroffene Kinder nehmen vor allem Worte und Ablehnungen weit ernster als andere Menschen – das heißt aber nicht, dass sie schneller oder häufiger weinen. In meinem Fall war es beispielsweise so, dass ich so gut wie nie weinte – schon gar nicht vor anderen. Hochsensible bedürfen weit weniger strengen Worten, um den gleichen ,,Erziehungseffekt“ zu erzielen wie nicht-hochsensible Kinder. Ein ,,Tu das nicht!“ in einem einigermaßen sanften Ton ,,erschreckt“ hochsensible Kinder beispielsweise genauso wie ein ,,LASS DAS JETZT SOFORT SEIN SONST….“ nicht-hochsensible zurechtweist.

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Hochsensible nehmen Gefühle und Körpersprache stärker wahr. © iStock / MEINPLAN.at

 

 

Wie bereits erwähnt, zieht sich Hochsensibilität durch – man kann sie als jugendliche und erwachsene Person nicht "loswerden".  Als Betroffene nimmt man schlichtweg viele Signale von Mitmenschen intensiver wahr und sich somit auch viele Dinge mehr zu Herzen. Hochsensible Menschen müssen mit diesen Wahrnehmungen zurecht kommen, sie können sie nicht einfach "abstellen" oder sich "ein dickeres Fell zulegen". Ich habe trotzdem ein paar Tipps für euch, mit denen ihr euch weiterhelfen könnt:

  • Akzeptanz
    • Du bist wie du bist. Du nimmst deine Umwelt intensiver wahr, reagierst auf kleine Einflüsse stärker. So ist es, so ist es gut.
  • Selbstreflexion
    • Z.B.: Warum habe ich den Eindruck, dass mich mein Lehrer hasst? Hat er seine Worte wirklich so gemeint wie ich sie verstanden habe? 
  • Lege dir Erklärungen für interessierten Menschen in deinem Umfeld zurecht.
    • Viele möchten dich verstehen und brauchen dabei aber deine Hilfe. Hochsensibilität wird noch nicht lange erforscht, oft wird einem vorgeworfen "überempfindlich" zu sein. Lass dich davon nicht unterkriegen, kontere mit Wissen. 
  • Recherche
    • Wenn du der Meinung bist, dass du hochsensibel bist, lies dich in die Materie ein. Suche wissenschaftliche Artikel und Papers, lies dir Wissen an. Im Zweifel könntest du auch einen Psychologen um Rat bitten um dich selbst besser zu verstehen. 

Segen oder Fluch?

Dass Hochsensibilität eine Menge Probleme mit sich bringen kann, habe ich dir ja bereits geschildert. Allerdings ist sie nicht nur Fluch, sondern auch Segen: Hochsensible Menschen spüren viel eher, wenn es anderen schlecht geht oder ,,schlechte Stimmung“ herrscht - und man lässt Unterhaltungen zu einem bestimmten Zeitpunkt vielleicht sein. Aber auch, wenn einem jemand etwas vorspielt, was er/sie nicht ist, merken das Hochsensible schneller. Der wichtigste Aspekt ist auf jeden Fall die HelferInnenrolle.

 

 
,,Hochsensible spüren, was anderen verborgen bleibt und können so häufig Menschen Trost spenden und ihnen gegebenenfalls gezielt helfen. Für mich war diese Eigenschaft daher schon oft eine Stütze im Job."
 
 
 

Manchmal ist es anstrengend – ja. Wenn ich aber wieder jemandem helfen kann, indem ich unbewusst wahrnehme, dass es dieser Person nicht gut geht, dann denke ich jedes Mal auf‘s Neue: ,, Gottseidank spüre ich so viel – es zahlt sich also doch aus!“

 

Bis zum nächsten Mal,

 

eure Nathalie

Nathalie Credo

Schon viel gesehen, erlebt und ausprobiert: einfach Nathalie. Ich bin Sängerin, Autorin, Sozialpädagogin und Sozialarbeiterin, wobei ich mich auf zuletzt genanntem Gebiet gerade weiter spezialisiere. Neben Österreich sind die USA mein zweites Zuhause - das Reisen ist eines meiner liebsten Hobbys, doch zu lange würde ich von meinen beiden Katzenkindern nicht getrennt sein wollen. Meine Blogs sind vielfältig – so wie ich!

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