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Abenteuer Leben. Studium. Beruf. © Sarah Staber & Stephanie Briegl / MEINPLAN.at
16.01.2019 | Lebenserfahrungen, Jobsuche | Flo

Jobsuche: Wie ich geschafft habe, nicht die Hoffnung zu verlieren

Flo hat nach Abschluss seines Studiums eine nervenaufreibende Zeit der Jobsuche hinter sich. Er erzählt, wie er diese Zeit erlebt hat und wie er es geschafft hat, nicht komplett zu verzweifeln.

An all jene Absolventen, um die sich unmittelbar nach der Abschlussprüfung die Unternehmen nur so reißen: Glückwunsch zum Job!

 

An all die anderen frisch gebackenen Akademiker, die sich noch immer unerlässlich um eine Stelle bemühen: Ich weiß, es ist zum Verzweifeln. Und man kann diese Zeit oft nicht schönreden. 

 

Arbeitssuche - eine große Hürde

Für mich war die Arbeitssuche eine Hürde in meinem Leben, mit der ich nicht gerechnet hatte: Ich hatte sehr gute Noten, viel praktische Erfahrung und ein tolles Portfolio - ich war bereit für die Arbeitswelt und blickte der Jobsuche freudig entgegen.

 

Nach dem ersten Dutzend Absagen musste ich etwas entzaubert feststellen, dass ein gutes Abschlusszeugnis und ein paar Praktika kein Ticket für eine Festanstellung sind. Obwohl ich es eigentlich vermeiden wollte, habe ich mich beim AMS arbeitslos gemeldet. Meine Gedanken rasten: Ich bin so weit gekommen und jetzt scheitere ich bei der Jobsuche?

 

 
Der akademische Titel war fast allen Unternehmen egal. Woran es, neben den vielen Mitbewerbern, immer wieder scheiterte, war die mangelnde Berufserfahrung.
 

 

Ich war in einem Zwiespalt: Einerseits wusste ich, könnte ich beim nächsten Supermarkt arbeiten oder kellnern bis ich etwas gefunden hätte, das meiner Ausbildung entspricht, andererseits wollte ich dies aufgrund meiner akademischen Ausbildung nicht. Wie fühlt sich das als diplomierter Absolvent an, der im Studium jahrelang alles gegeben hat, um später im Berufsleben möglichst erfolgreich zu sein? In meinem Fall habe ich daher alles auf die Jobsuche gesetzt, um möglichst bald auch wirklich erfolgreich zu sein. Leider war alles nicht so einfach wie erhofft.

 

das selbstvertrauen nicht verlieren

 
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Ohne Job keine Erfahrung - ohne Erfahrung kein Job. Frustration und Jobsuche gehen oft Hand ind Hand. © iStock / MEINPLAN.at

 
 

 

Mit jedem Tag, der verging, wurde mein Selbstvertrauen ein Stückchen weniger. Im Laufe meiner neunmonatigen Suche habe ich angestrengt versucht zu verstehen, warum es denn nicht funktionieren will. Zuerst dachte ich, ich wäre zu anspruchsvoll. Ist es zu hochgegriffen, mich bei meinem Traumunternehmen zu bewerben? Darf ich nur Assistenz-Jobs annehmen? Und muss ich mich wirklich mit jeder Unternehmenskultur zufriedengeben? Mit anderen Worten: Muss ich wirklich nehmen, was ich kriegen kann? Verdiene ich es als Absolvent nicht endlich, mir meinen Traumjob zu suchen? Immerhin habe ich viele Jahre gelernt und gebüffelt um am Ende in dem Bereich zu arbeiten, von dem ich immer geträumt habe.

 

Lag ich damit vielleicht doch falsch?!

 

Um herauszufinden, warum ich so viele Absagen erhalte, habe ich begonnen, mich regelmäßig zu erkundigen, wie viele Bewerbungen eingegangen sind: Der Durchschnitt lag dabei bei etwa 100 eingelangten Schreiben für eine ausgeschriebene Stelle. Ich war schockiert! Ich wusste, dass die Medienbranche kein einfaches Pflaster ist, dass es in anderen Bereichen ähnlich oder gar schlimmer zugeht. Trotzdem hatte ich nicht erwartet, dass der Arbeitsmarkt in meinem Berufsfeld derart umkämpft sein würde.

 

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Absagen, unfaire Behandlung und viel Frust. Die Jobsuche ist oft nicht einfach. © iStock / MEINPLAN.at

 

Zwischen all den Absagen gab es auch einen persönlichen Rekord: „Gratulation, Sie haben sich gegen 400 Mitbewerber durchgesetzt. Wir würden Sie gerne zum Gespräch einladen.“ Ich war also einer der „Glücklichen“. Aber schätzt man sich da tatsächlich glücklich? Wenn man weiß, dass nur eine Kleinigkeit beim Gespräch schiefgehen muss und der Nächste rutscht an meiner Stelle nach? Wenn man weiß, dass man wirklich kämpfen muss? Für mich persönlich war das kein Glück mehr, es war purer Stress.

 

 

"cherry Picking"

Trotz meiner Bewerbungen auf Berufseinsteiger-Positionen war mir das auch schon bei anderen Bewerbungsverfahren aufgefallen. Der akademische Titel war fast allen Unternehmen egal. Woran es, neben den vielen Mitbewerbern, immer wieder scheiterte, war die mangelnde Berufserfahrung. Und das, obwohl ich als FH-Absolvent eine vergleichsweise sehr praxisnahe Ausbildung genossen habe. Eine Zwickmühle also: Ohne Erfahrung kein Job, ohne Job keine Erfahrung. Denn was tun die rekrutierenden Unternehmen mit einem Arbeitsmarkt, der von Absolventen derart überschwemmt wird? Klar, sie können aus den hunderten, hochqualifizierten Absolventen wählen - wie beim Kirschenpflücken wählen sie die aus, die am vielversprechendsten wirken.

 

Diese Erkenntnis war für mich das Zermürbendste bei der ganzen Jobsuche.

 

Bewerbungsrunden - Zermürbende Erfahrungen

 
Die Unternehmen können sich also im Bewerbungsprozess so einiges erlauben - und die Bewerber müssen so einiges mitmachen und über sich ergehen lassen.

 

Von meinen zwölf Einladungen zu Gesprächen gab es bei mir so gut wie immer mindestens zwei, üblicherweise aber drei Runden:

  1. Ein Gespräch mit der HR-Verantwortlichen.
  2. Ein Gespräch mit HR-Verantwortlichen und Bereichsleiter.
  3. Abschließend dann - mit viel Glück - einer oder mehrere unbezahlte Schnuppertage.

Und wenn man dann nach Runde drei eine Absage bekommt, dann hat man neben den Fahrtkosten viel Zeit und Nerven umsonst investiert. Manchmal stürzt einen das in ein Tief, das umso länger dauert, je öfter es passiert.

 

Die Unternehmen können sich also im Bewerbungsprozess so einiges erlauben - und die Bewerber müssen so einiges mitmachen und über sich ergehen lassen. Von übertrieben harten Rollenspielen, um eine Verkaufssituation zu simulieren, bis hin zu diversen Unhöflichkeiten und unangemessener Behandlung - ich habe viel erlebt, um endlich an mein Ziel zu gelangen.

 

Vielleicht fragt ihr euch, warum ich euch das erzähle? Nun, ich denke, dass es "da draußen" vielen jungen Bewerbern so geht. Ich habe das Gefühl, dass über solche Erfahrungen einfach nicht gesprochen wird - das würde ich gerne ändern, um euch Mut zu machen. Ihr seid nicht alleine, vielen geht es ähnlich.

 

Tipps für mehr durchhaltevermögen

 
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Durchalten zahlt sich aus - auch, wenn es manchmal unmöglich erscheint. © iStock / MEINPLAN.at
 
 

 

In Anbetracht meiner Erlebnisse kann man sicher davon sprechen, dass ich eine depressive Phase durchgemacht habe. Man muss versuchen, sich bestens zu verkaufen, obwohl die Fassade schon längst bröckelt. Das kleine Häufchen Elend dahinter hat irgendwann keine Energie mehr, sie zu richten. Dabei ist es dieser Ich-hab-studiert-und-bin-super-und-krieg-jeden-Job-Naivitätsoptimismus, den man zuerst hat. Wenn man nach jedem Bewerbungsgespräch mit einer Zusage rechnet, sich aber dann mit reihenweise Absagen konfrontiert sehen muss, bleibt man nicht lange Optimist.

 

Als mir selbst klar wurde, dass ich immer pessimistischer wurde, habe ich versucht, den Kopf wieder über Wasser zu bekommen und mich um Rationalität bemüht.

 

#1 Realistisch bleiben & eine gesunde Distanz wahren

Es zahlt sich aus, die offenen Bewerbungsverfahren aufgrund des Konkurrenzdrucks realistisch und mit einer gesunden Distanz zu betrachten. Es ist "nur" ein Bewerbungsgespräch und kein weltbewegendes Ereignis. Wenn es mit dem Job nicht klappt, war es eine tolle Übung für weitere Gespräche!

 

#2 Dranbleiben und den Mut nicht verlieren

Wenn man sich nur irgendwie motivieren kann, lohnt es sich, einfach immer weiter Bewerbungen zu schreiben. Selbst dann, wenn man gerade zu mehreren Interviews gleichzeitig eingeladen wurde.

 

# Qualität statt Quantität

Für mich war es hilfreich, die Bewerbungen auf die Unternehmen und das Anforderungsprofil zurechtzuschneiden. Aus der Masse herausstechen um eine Chance für ein Gespräch zu bekommen, das war mir wichtig. Es lohnt sich, Zeit für eine ansprechende Gestaltung seiner Bewerbungsunterlagen zu investieren.

 

Happy End!

Als ich dachte, dass ich am besten einfach professioneller Bewerber werden sollte, habe ich tatsächlich etwas gefunden - sogar bei einem Unternehmen, das mich wirklich interessiert.

 

Trotz des glücklichen Endes meiner Odyssee war die Jobsuche für mich eine der schwierigsten Zeiten, die ich je durchgemacht habe. Denn das Gefühl der Nutzlosigkeit und der Einbruch am Selbstwert sind in der Tat nichts für schwache Nerven. Aber auch wenn es dauert und bitter ist - du bist mit diesen Problemen nicht allein und das Suchen zahlt sich eines Tages aus. 
Ganz bestimmt.

Flo

Ich habe Medientechnik studiert, komme aus Niederösterreich und wohne seit ein paar Jahren in Wien. In meiner Freizeit begebe ich mich gerne auf Fotosafari in der heimischen Natur. 
 

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