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Abenteuer Leben. Studium. Beruf. © Sarah Staber & Stephanie Briegl / MEINPLAN.at

Studieren mit Kind "ist es wert"

Zweites Semester - schwanger. Dennoch hat Margarethe wieder studiert, als ihre Tochter ein Jahr alt war. Von Zeitmanagement, Kindbetreuung und verständnisvollen Professoren - ein Einblick.

Das Leben als Studentin kann ja manchmal schon schwierig sein. Der eventuelle Umzug in eine neue Stadt, das Zurechtfinden an der Universität und im Studium, die Wege in die unterschiedlichsten Anlaufstellen für die Studienbeihilfen, die Wohnungsbeihilfen oder das Suchen nach einem Ferialjob kann die Nerven ziemlich belasten.

 

Wenn man diese Hürden aber nach einiger Zeit gemeistert hat, kommt für die meisten einer der schönsten und aufregendsten Zeiten des Lebens. Das typische Studentenleben, wo man sich hauptsächlich von 60 Cent Nudeln mit Butter ernährt, wo man Nächte durchfeiert und am nächsten Tag todmüde in der Vorlesung sitzt. 

 

Ein Extra an meiner Seite: meine 5-jährige Tochter

Ganz so anders ist mein jetziges Studentenleben auch nicht. Ich hab nur ein kleines wundervolles Extra an meiner Seite, nämlich meine 5-jährige Tochter. Auch jetzt essen wir fast ausschließlich Nudeln mit Paradeisersauce, was anderes darf bei ihr ja kaum auf den Tisch kommen. Meine Nächte sind nicht sehr viel länger als damals, als ich noch die Stadt unsicher machte, nur dass ich die Nachtstunden zum Lernen und Arbeiten nutze und danach sehr müde auf der Uni sitze.

 

Klingt hochmotiviert, oder? Das bin ich mittlerweile auch, war ich aber am Anfang überhaupt nicht.

 

Zweites Semester - und schwanger

Da war ich. 20 Jahre alt, nicht einmal seit einem Jahr in Wien, auf dem Papier im zweiten Semester in meinem Studium, in der Realität war ich gerade einmal am Anfang. Ach ja, und in der 6. Woche schwanger.

 

Für Hollywood sind das sicher gute Voraussetzungen um einen erfolgreichen Film zu produzieren, für mich hingegen sah die Wirklichkeit mehr als trostlos aus. Die ersten Tage nach der Feststellung der Schwangerschaft war ich wie in Trance. Was hatte ich denn auch schon vorzuweisen, außer nicht vorhandene Studienerfolge, Aushilfsjobs, die mich gerade einmal so über Wasser hielten und eine Arbeitseinstellung bei der, wie man so schön sagt, einer Sau graust?

 

 
Aber nichts bringt einen schneller auf den Boden der Realität, wenn du plötzlich erfährst, dass du ab sofort nicht nur die Verantwortung für dich, sondern auch für einen Menschen trägst, der dich mehr als alles andere auf der Welt lieben wird und für den du nur das Beste willst.
 

Ich änderte meine Lebens- und Arbeitsweise

 

Ab sofort änderte ich meine Lebens-und Arbeitsweise, begann das Versäumte im Studium nachzuholen, schaffte einige Prüfungen und richtete daneben unsere Wohnung für unseren neuen Erdenbürger ein.

 

Als meine Tochter ein Jahr alt wurde, wollte ich unbedingt wieder studieren. Seit ihrer Geburt hatte ich nicht mehr an die Universität, Vorlesungen und Seminare gedacht, sondern nur an Windeln, Stillen und alle anderen Bedürfnisse, die ein so kleiner Mensch haben kann. Aber je älter sie wurde, umso mehr sehnte ich mich danach, wieder etwas zu lernen, mich mit Gleichaltrigen auszutauschen und meiner Tochter im Leben etwas bieten zu können. Außerdem, nur weil man Mutter geworden ist, heißt das nicht, dass man alle seine Zukunftspläne aufgeben muss. Man muss sie nur ein bisschen den Gegebenheiten anpassen.

 

 
Je älter meine Tochter wurde, desto mehr sehnte ich mich danach, wieder etwas zu lernen, mich mit Gleichaltrigen auszutauschen und meiner Tochter im Leben etwas bieten zu können.
 
 

Wiedereinstieg ins Studium: Herausforderung Kinderbetreuung

Das Schwierigste am Wiedereinstieg ins Studium war (und ist es bis heute) die Frage, wer passt auf meine Tochter auf, wenn ich auf der Universität bin? Gott sei Dank gibt es in Wien neben sehr vielen öffentlichen Betreuungseinrichtungen wie Kinderkrippen, Kindergärten und Tagesmüttern auch private Anbieter wie den Oma-Dienst oder unzählige Stellenanzeigen von Studenten, die mit Babysitten Geld dazuverdienen möchten.

 

Studieren mit Kind © iStock/MEINPLAN.at
 

© iStock/MEINPLAN.at

 

Dazu kommt der persönliche Bekanntenkreis wie Eltern, Geschwister, Omas, Opas, Tanten und Onkeln oder die engen Freunde. Um Hilfe zu fragen ist nie einfach, bis heute ist es mir jedes Mal unangenehm, wenn ich jemanden suche, der für ein paar Stunden Babysitter spielen kann. Aber ich kann die paar Male, wo wirklich keiner Zeit hatte, an einer Hand abzählen, es findet sich fast immer jemand.

 

Mit den Professoren reden

Etwas, das man nicht außer Acht lassen sollte: mit den Professoren zu reden. Ich war am Anfang erstaunt, aber die meisten wollen einem wirklich helfen. Wenn es nicht anders ging und ich meine Tochter mit in die Vorlesung mitnehmen musste, war das nie ein Problem. Oder falls ein Referat oder eine Hausübung einmal etwas länger auf sich warten ließ, eine ehrliche Erklärung und eine aufrichtige Entschuldigung sind das Um und Auf. Natürlich ist die „Ich hab ein Kind“-Karte aber eine, die man nicht leichtfertig ausspielen darf.

 

Zeitmanagement ist das Um und Auf

Eines der ersten Sachen, die ich mir kaufte, als ich wieder zum Studieren anfangen wollte, war ein guter, handlicher und übersichtlicher Kalender. Ohne sinnvollem Zeitmanagement wird man es nicht schaffen. Ohne meinen Kalender - oder wie ich ihn nenne, „Gehirn in Buchformat“ - wäre ich ziemlich aufgeschmissen. Jeder Tag ist durchgeplant, damit ich meine Zeit so gut wie möglich nutzen kann.

 

Studentin mit Kind: Mein typischer Tagesablauf

Ich bin mit meiner Tochter um halb neun im Kindergarten, dann sause ich auf die Universität, kurz vor drei Uhr hole ich meine Tochter wieder ab und verbringe die Stunden bis zum Schlafengehen mit ihr. Wir gehen in die Prater Hauptallee oder zum Spielplatz, wir spielen daheim oder besuchen eine Freundin. Diese Zeit ist mir besonders wichtig. Da ich auch die ganzen Samstage auf der Universität verbringen muss, genießen wir jede freie Minute miteinander. Trotzdem bleibt der bittere Beigeschmack, nicht öfter für sie da sein zu können.

 

Sobald sie am Abend im Bett liegt, geht es für mich wieder an den Schreibtisch zum Lernen oder zum Arbeiten. Ja, während ich diese Zeilen hier schreibe, ist es dreiviertel elf und stockfinster draußen. Da ich geringfügig angestellt bin, aber glücklicherweise 90 Prozent davon im Home Office machen kann, geschieht das erst am Abend. Auch das gehört zum Leben als Studentin mit Kind dazu. Beinahe jede Nacht wird gelernt oder gearbeitet, einfach in den Tag hineinleben gibt es nicht mehr.

 

Studieren mit Kind: Trau dich!

Falls du selbst in der Situation bist und überlegst wieder zu studieren, dann trau dich! Du hast nichts zu verlieren! Es wird eine anstrengende, aber wunderschöne Zeit werden. Du wirst über dich hinauswachsen und kannst dadurch deinem Kind auch Türen und Tore öffnen.

 

Vergiss nicht auf deine Bedürfnisse

Eine Sache liegt mir besonders am Herzen, die muss ich noch loswerden. Vergiss nicht auf dich und deine Bedürfnisse! Wir Mütter haben die besondere Fähigkeit, die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder vor unsere eigenen zu stellen. Und ehe man sich versieht, steht man völlig erschöpft und kraftlos da.

 

Das Gute an der Universität ist, dass man sich Seminare, Prüfungen, Übungen etc. vorher heraussuchen und es sich zeitlich mehr oder weniger flexibel einteilen kann. Mein besonderer Tipp dafür: Plane ein Mal in der Woche eine Zeit nur für dich ein und mach da, was dir Freude bereitet. Spazieren gehen, ins Museum gehen und die Ausstellung anschauen, die dich schon so lange interessiert, alte Freunde auf einen Kaffee treffen oder einfach nur länger schlafen. Einfach die unordentliche Wohnung oder die schmutzige Wäsche in Ruhe lassen. Sie wird sowieso wieder schmutzig werden, und ob sie einen Tag länger oder kürzer schmutzig sein wird, ist am Ende des Tages auch schon egal.

 

Was aber niemals egal sein darf, ist, wie es einem selbst geht. Mutter zu sein ist großartig, es ist das Schönste auf der Welt, mit seiner eigenen kleinen Familie durchs Leben gehen zu dürfen. Aber es darf einem auch zu viel werden. Man darf manchmal die Hände vors Gesicht schlagen und sich fragen, warum man sich das alles eigentlich antut. Das darf alles sein.

 

 
Mutter zu sein ist großartig, es ist das Schönste auf der Welt, mit seiner eigenen kleinen Familie durchs Leben gehen zu dürfen. Aber es darf einem auch zu viel werden.
 
 

Und man ist damit nicht alleine, in so einer großen Stadt wie Wien gibt es unzählige Studenten, die mit Kindern durchs Leben gehen. Und sie alle haben gute und schlechte Tage.

 

Wichtig ist nur, dass man niemals aufgibt! Jede bestandene Prüfung ist ein Ego-Boost und ein bestandenes Studium lässt dich fliegen! Soweit bin ich zwar noch nicht, aber wenn ich in rund einem Jahr meinen Bakk-Abschluss in den Händen halten und meinen Magister anfangen werde, dann weiß ich, dass ich alles schaffen kann.

 

Studieren mit einem Kind an der Seite lässt dich an deine Grenzen kommen, aber das, was du am Ende des Tages in der Hand haben wirst, ist es so wert!

Margarethe Jauernik

Ich bin 27 Jahre alt, studiere im 5. Semester Psychotherapiewissenschaften auf der Sigmund Freud Universität und mache dabei die Ausbildung zur Psychotherapeutin. Geboren und aufgewachsen bin ich in Oberösterreich, wohne aber seit knapp sieben Jahren zusammen mit meinem Mann und unserer 5-jährigen Tochter in Wien.

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